Schwimmstile

Drucken
Kategorie: Breitensport
Veröffentlicht am Sonntag, 13. Juli 2008

Entwicklung der Schwimmstile

Obwohl der Mensch seit Urzeiten schwimmt, wurden ausgeprägte Stilarten erst in den letzten 100 Jahren erarbeitet. Das moderne Wettkampfschwimmen entwickelte sich um 1837 in den Hallenbädern Londons. Geschwommen wurde entweder Brust- oder Seitenschwimmen. Im Jahr 1895 schwamm der Engländer J. H. Thayers im Seitenstil die 100 Yards in 1:02.50 (entsprechende 100-m-Zeit 1:08.38). Bis in die 1950er Jahre war das Brustschwimmen, das ja meist als erste Technik erlernt wird, die einzige Schwimmart, für die genaue Regeln genau festgelegt waren.

John Trudgen entwickelte 1873 in England das Hand-über-Hand-Schwimmen, das daraufhin „trudgen“ genannt wurde. Die Arme wurden aus dem Wasser nach vorne geführt, ähnlich wie beim Seitenschwimmen, nur wechselte man stets von einer auf die andere Seite und führte zusätzliche Scherenbeinschläge aus. F. V. C. Lane trudgte 1901 die 100 Yards in 1:00.0 (100 m in 1:05.64).

Statt des unharmonischen "Trudgens" wandte der Australier Richard Cavill die flüssigere Technik der Eingeborenen der Solomoninseln an. Diese kombinierten den Kraulbeinschlag mit dem Überwasserarmzug. Cavill erreichte mit diesem Australischer Crawl genannten Stil 1902 über 100 Yards eine Weltrekord-Zeit von 58.4 Sekunden (100 m in 1:03.89).

1934 fand David Armbruster, Trainer an der Universität von Iowa, dass beide Arme beim Brustschwimmen auch über Wasser nach vorne zurückgeführt werden konnten. Dieses "Schmettern" erhöhte die Schwimmgeschwindigkeit, kostete aber mehr Trainingsaufwand und Kondition. 1935 schwamm Jack Sieg, ebenfalls von der Universität von Iowa, auf der Seite, mit den Beinen wie mit einem Fischschwanz schlagend. Er konnte das schließlich auch auf dem Bauch. Armbruster und Sieg kombinierten das Schmettern der Arme und den Beinschlag und schufen damit den anfangs „Butterfly“ bzw. Schmetterling genannten Schwimmstil. Mit zwei Beinschlägen bei jedem Armzug schwamm Sieg damals die 100 Yards in 1:00.2 (100 m in 1:05.85). Anderen Angaben zufolge war es 1935 ein Amerikaner namens Brydenthal, der diesen Stil erstmals schwamm. Das zunächst als regelwidrig betrachtete „Schmetterlings-Brustschwimmen“ wurde jedoch erst Ende der 1950er Jahre als eigene Wettkampf-Schwimmart legalisiert.

Bei den zweiten olympischen Spielen 1900 in Paris wurde ein Hindernisschwimmen, ein Unterwasserausdauerschwimmen und ein 4.000-m-Schwimmen durchgeführt Bis auf das letztere (Langstreckenschwimmen) wurden diese Wettkampfformen später nicht mehr durchgeführt. 1912 durften die Frauen erstmals im Wettkampf mitschwimmen.

[

Einzelstile

Brustschwimmen
 

Brustschwimmen wird in Schwimmkursen meist als erste Technik erlernt. Die Wettkampf-Variante ist die schwierigste und am längsten zu erlernende Schwimmart, manche Schwimmer können aufgrund der Disposition ihrer Hüftgelenke keinen regulären Bruststil mit Grätschschlag schwimmen, ebenso ist auch das richtige Timing und Wassergefühl beim Wettkampfbrustschwimmen um einiges anspruchsvoller als bei allen anderen Schwimmarten.

Der Bruststil wird so ausgeführt, dass die Arme unter Wasser zusammenliegend gleichzeitig nach vorn gebracht und dann durch das Wasser "ziehend" bis auf Höhe des Brustkorbs zurück und in Höhe des Halses wieder zur Vorwärtsbewegung zusammengeführt werden. An diese Bewegung schließt sich ein Grätschbeinschlag unmittelbar an. Der nächste Armzug erfolgt gegen Ende des Grätschbeinschlags.

Im Gegensatz zur bisher üblichen Gleittechnik wird bei der sogenannten Undulationstechnik (von lat. unda = die Welle) bzw. Wave-action-Technik eine Wellenbewegung des Körpers ähnlich wie beim Delfinschwimmen durchgeführt und ein zusätzlicher Vortrieb erzeugt. Die Regelhaftigkeit dieser Stilvariante war zunächst umstritten.

Die FINA-Wettkampfregeln besagen, dass der Körper vom Beginn des ersten Armzuges nach dem Start und nach jeder Wende vollständig in Brustlage gehalten wird, die Schultern müssen parallel zur Wasseroberfläche liegen. Eine Rollbewegung zur Rückenlage ist zu keinem Zeitpunkt erlaubt. Nach dem Start und nach jeder Wende darf der Schwimmer vollständig untergetaucht einen vollen Armzug bis zu den Oberschenkeln und einen Beinschlag machen, bevor er an die Wasseroberfläche zurückkehrt. Der Kopf muss die Wasseroberfläche durchbrechen, bevor sich die Hände am weitesten Öffnungspunkt der Arme im zweiten Armzug nach innen drehen. Danach muss in einem vollständigen Zyklus, bestehend aus einem Armzug und einem Beinschlag, irgendein Teil des Kopfes die Wasseroberfläche durchbrechen.

Alle Bewegungen der Arme müssen gleichzeitig und in der gleichen waagerechten Ebene ausgeführt werden. Die Hände müssen an oder unter der Wasseroberfläche zurück gebracht und von der Brust aus gleichzeitig an, unter oder über der Wasseroberfläche vorwärts gebracht werden. Die Ellbogen müssen dabei unter Wasser bleiben, außer beim letzten Armzug vor dem Zielanschlag. Außer beim ersten Zug nach dem Start und nach jeder Wende dürfen die Hände nicht weiter als bis zur Hüfte nach hinten gebracht werden. Alle Bewegungen der Beine müssen ständig gleichzeitig und in gleicher waagerechter Ebene ohne Wechselbewegungen ausgeführt werden. Beim Beinschlag müssen die Füße bei den Rückwärtsbewegungen auswärts gedreht werden. Bewegungen in Form eines Delfinbeinschlages sind nicht erlaubt. Bei jeder Wende und am Ziel muss der Schwimmer mit beiden Händen gleichzeitig anschlagen.

 



Kraulschwimmen
 

Das Kraulschwimmen, kurz Kraulen, ist die schnellste Schwimmart, da durch den wechselseitigen Armzug ein Antrieb ohne Unterbrechung und dem ebenfalls wechselseitigen kraftvollen Abwärts-Beinschlag eine optimale Vortriebswirkung erzeugt wird. Das Gesicht des Schwimmers befindet sich beim sportlichen Schwimmen meist im Wasser und wird je nach den Vermögen mit jedem Armzug oder nach mehreren Armzügen zum Luftholen seitwärts aus dem Wasser gedreht. Ausgeatmet wird in das Wasser hinein. Dabei bleibt der Körper prinzipiell in der Horizontalen. Während zwei Armzügen macht der Schwimmer normalerweise 6 Beinschläge, wobei Langstreckenschwimmer meistens nur zwei Beinschläge machen. Die übliche Wende beim Kraulschwimmen ist die Rollwende, bei der der Schwimmer anstatt mit der Hand anzuschlagen eine Rolle vor der Beckenwand macht, und sich dann mit den Beinen davon wegstößt.

Mit dem Kraulstil wurde 1912 erstmals Duke Kahanamoku, ein Hawaiianer, Olympiasieger.

Freistilschwimmen

Nach der (FINA-Regel SW 5) bedeutet Freistilschwimmen, dass der Schwimmer eine beliebige Schwimmart schwimmen darf, wobei jedoch ein Körperteil des Schwimmers während des gesamten Wettkampfes die Wasseroberfläche durchbrechen muss.

Beim Wenden bzw. beim Zielanschlag muss der Schwimmer die Wand mit einem beliebigen Körperteil berühren.

Bei Lagenstaffel- oder Lagenschwimm-Wettkämpfen darf im Freistil jede andere Schwimmart außer Brust-, Schmetterling- oder Rückenschwimmen geschwommen werden. Es ist dem Schwimmer jedoch erlaubt, während der Wende sowie für eine Strecke von 15 Metern nach dem Start und nach jeder Wende völlig untergetaucht zu sein. An diesem Punkt muss der Kopf die Wasseroberfläche durchbrochen haben.

Da der Kraulstil die schnellste Schwimmart ist, wird als "Freistil" praktisch immer im Kraulstil geschwommen.

 



Rückenschwimmen

Beim Rückenschwimmen liegt der Schwimmer flach auf dem Rücken im Wasser. Der Armzug wird wechselseitig ausgeführt, wobei die Arme über dem Kopf ins Wasser eintauchen, unter Wasser nach vorne geführt werden und oben wieder zurück. Um eine möglichst hohe Effizienz zu erreichen, wird der Arm unter Wasser nicht gerade, sondern abgeknickt geführt, da man im gebeugten Arm mehr Kraft hat. Der Beinschlag erfolgt wie beim Kraul durch abwechselnde Auf- und Abbewegungen der Beine aus der Hüfte heraus. Ein starker Beinschlag beim Rückenschwimmen stabilisiert die Lage im Wasser. Der Stil Altdeutsch-Rücken unterscheidet sich davon durch Armbewegungen im Brust-Stil.

Die FINA-Wettkampfregeln besagen für diesen Stil, dass beim Startsignal und bei jeder Wende in Rückenlage abgestoßen und während des ganzen Wettkampfes auf dem Rücken geschwommen werden muss. Bei der Wende kann eine Rollbewegung des Körpers um weniger als 90 Grad aus der Normallage heraus erfolgen; die Haltung des Kopfes ist nicht ausschlaggebend. Ferner muss ein Teil des Schwimmers während des gesamten Wettkampfes die Wasseroberfläche durchbrechen. Es ist dem Schwimmer jedoch erlaubt, während der Wende sowie für eine Strecke von 15 Metern nach dem Start und nach jeder Wende völlig untergetaucht zu sein. An diesem Punkt muss der Kopf die Wasseroberfläche durchbrochen haben.

Bei der Wendenausführung muss der Schwimmer die Wand mit einem beliebigen Teil seines Körpers berühren. Während der Wende dürfen die Schultern über die Senkrechte in die Brustlage gedreht werden. Ein mit der Wendenausführung zusammenhängender Einzelarmzug oder ein simultaner Doppelarmzug dürfen zur Einleitung der Wende ausgeführt werden. Sobald der Körper die Rückenlage verlassen hat, dürfen kein Beinschlag und kein Armzug mehr ausgeführt werden, die nicht mit der Wendenausführung zusammenhängen. Der Schwimmer muss aber in die Rückenlage zurückgekehrt sein, wenn er die Beckenwand verlässt. Ferner soll die Wende in einer kontinuierlichen Bewegung, also aus der Armzugsbewegung heraus, ausgeführt werden. Beim Zielanschlag muss sich der Schwimmer in Rückenlage befinden.
(Siehe auch: Tellerwende).

Schmetterling / Delfin

Das Schmetterlingschwimmen wurde vom Weltschwimmverband (FINA) als vierte offizielle Schwimmart anerkannt. Die FINA sah sich 1953 zu diesem Schritt gezwungen um eine eindeutige Differenzierung zum traditionellen Bruststil zu machen.

Seit den 1930er Jahren entwickelte sich das Schmetterlingschwimmen aus dem Bruststil. Durch das Nachvornebringen der Arme über dem Wasser reduzierten innovative Brustschwimmer ihren Wasserwiderstand. Durch den erhöhten Kraftaufwand schwammen diese Aktiven meist nur einige Meter oder eine Bahn im Schmetterlingstil und wechselten dann zum üblichen Bruststil. Erst durch die weitere Verfeinerung der Technik, wurde das Schmetterlingschwimmen ökonomischer. Beim Armzug werden beide Arme gleichzeitig mit einer S-förmig ziehenden Bewegung (sog. Schlüssellochzug) unter Wasser von vorn nach hinten geführt und dann gerade wieder über den Kopf nach vorn gebracht, es wird normalerweise alle zwei Züge nach vorne geatmet. Die Beine wurden ursprünglich im Grätschschlag bewegt, daraus entwickelte sich später eine wellenförmigen Auf- und Abwärtsbewegung wobei beide Beine gleichzeitig aus der Hüfte heraus bewegt werden. Pro Armzug werden ein bis zwei Beinschläge ausgeführt. Der zweite ist hierbei kräftiger als der erste.

Nach dem Kraulstil gilt das Schmetterlingschwimmen heute als zweitschnellste jedoch auch anstrengendste Schwimmart, weshalb es bei Wettkämpfen nur über relativ kurze Distanzen durchgeführt wird. Mit der Einführung des geschlossenen Beinschlags wurde diese Schwimmart jahrzehntelang als "Delfin-Stil" bezeichnet, dann jedoch - ohne Veränderung des typischen Schwimmstils - weltweit wieder auf "Butterfly" bzw. "Schmetterling" zurückgeführt.

Die FINA-Regeln bestimmen, dass von Beginn des ersten Armzuges nach dem Start und nach jeder Wende der Körper in Brustlage gehalten werden muss und beide Schultern mit der Wasseroberfläche in einer Linie liegen. Beinschläge unter Wasser zur Seite sind erlaubt. Nach dem Start und nach jeder Wende darf ein Schwimmer mehrere Beinschläge und einen Armzug unter Wasser ausführen, die ihn an die Wasseroberfläche bringen müssen. Dem Schwimmer ist es erlaubt, nach dem Start und nach jeder Wende bis zu 15 m völlig untergetaucht zurückzulegen. An diesem Punkt muss der Kopf die Wasseroberfläche durchbrochen haben. Der Schwimmer muss bis zur nächsten Wende oder bis zum Ziel an der Wasseroberfläche bleiben.

Beide Arme müssen sowohl nach hinten als auch nach vorn gleichzeitig unter bzw. über Wasser bewegt werden. Alle Bewegungen der Füße und Beine müssen gleichzeitig ausgeführt werden; gleichzeitige Auf- und Abwärtsbewegungen der Füße und Beine in senkrechter Richtung sind erlaubt. Die Füße und Beine brauchen nicht auf gleicher Ebene zu sein, aber wechselseitige Bewegungen (Kraulbeinschlag) sind nicht erlaubt. Eine Brustbeinschlagbewegung ist nicht zulässig. Bei jeder Wende und am Ziel muss der Schwimmer mit beiden Händen gleichzeitig anschlagen.

Lagenschwimmen

Beim Lagenschwimmen wird nacheinander über gleich lange Streckenabschnitte (meist 4 x 50 oder 4 x 100 m) in den Stilen und in der Reihenfolge Schmetterling, Rücken, Brust und Kraul geschwommen. Beim Staffelschwimmen schwimmt jeder der vier Staffelschwimmer nur einen der vier Lagenstile über seinen Streckenabschnitt.

Als zu schwimmende Lage in Freistil muss jedoch eine andere als Rücken, Brust oder Schmetterling gewählt werden. Man schwimmt also so gut wie immer Kraul.

In der so genannten Lagenstaffel treten vier Schwimmer/-innen an, die jeweils eine der vier Schwimmstile absolvieren. Hierbei ändert sich jedoch gegenüber dem "Lagenschwimmen" die Reihenfolge: Es beginnt der Rückenschwimmer, um den Start bei dieser Disziplin korrekt im Wasser befindlich zu vollziehen, gefolgt von Brust, Schmetterling und Freistil.

Bei den Olympischen Spielen wird das Lagenschwimmen im Einzelwettkampf über 200 m und 400 m sowie als Staffel über 4 x 100 m ausgetragen. Bei Schwimmwettkämpfen auf der Kurzbahn (25 m) gibt es zusätzlich die 100 m Lagen und die 4 x 50 m Lagenstaffel.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwimmstil und http://www.sportunterricht.de)
(Autoren: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schwimmstil&action=history)